Die Kiezreporter

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Die B-Alliteraten - Berlin bloggt Berlin.
Kiez-Reporter unterwegs im Großstadt- Dschungel.

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Heute ist Gelb meine Farbe, (A-I) der folge ich, um mich zu allererst in der richtigen Warte-, Sitz-, Steh,- und Menschen-Arrangerie einzufinden. Karten, Nummern und Knöpfe gibt es keine, sondern nur das Menschliche auszudrücken zählt hier. Mit der Frage: ‚ Wer war der Letzte ?‘, ist der 1. Kontakt hergestellt und Mann und Frau sind anfänglich am Ende. Meine Erwartungen, auf’s Grausamste vorbereitet, sind nun mit einem Schlag unbestimmt.

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Hans Holbein d.J. Bilder des Todes

Die Leute sehen interessant aus und ich habe Lust mit ihnen zu plaudern. Das forsche Anbändeln verkneife ich mir jedoch und schau stattdessen was passiert. Ich setze mich, freie Plätze gibt es noch um 10.30 Uhr. Voll und drängelig wird’s erst etwas später, und zwar richtig, denn Schließung ist um 13.00 Uhr…

Ich mache es mir gemütlich. Kaum ist die 1. Minute rum, bin ich schon nicht mehr die Letzte. Ich melde mich auf Nachfrage, grinse und beäuge meinen Nachfolger genau. Der, den ich mir aber eigentlich merken müßte, ist männlich mit blauem Shirt und dickem Buch (der wird aber hier nicht viel zum Lesen kommen). Der Takt ist flott und man darf den Anschluss nicht verlieren.

Die Parzelle, nach der sich alle schnellst möglich sehnen, ist gleich neben uns Wartenden. Schon höre ich eine Frau sagen: ‚ Wissen sie, ich bin ja etwas älter, aber ich werde ständig mit so viel Arbeit bombardiert, das muss sich ändern…!‘. Aha? Mitunter mag auch ich’s privat und in diese eine Buchte will ich nicht. Zum Glück ist die Auswahl bei solchen Massen gross.

Wieder steht die Frage im Raum, ‚Wer war der Letzte?‘ .

Eben erfahren, tanzt nun das letztes Glied aus der Reihe und begibt sich zügig zum Water Closet. Alles ist voll im Gang, schon kommt der Nächste mit, ‚Wer war vor mir?‘.

‚Hier‘, ist die Anwort, aber vom Falschem. Der Wirkliche ist um die Ecke, oder soll der sich noch während seiner privaten Sitzung kümmern?

Jetzt gibt es zwei Schlusslichter, den Klogänger und den Betrogenen und beide wissen nicht voneinander. Ersterer kommt wieder und nun, beim nächsten möchtegern Letzten kommt es zum Durcheinander, ein hin und her. Wer ist denn nun der echte Letzte? Ein wirklicher Streit um den wahren Letzten beginnt!

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Tingeltangel 1895, Edvard Munch- Einblick in ein Vergnügungsetablissement der Friedrichstraße in Berlin.

Doch die Stimmung ist locker und viele lachen. Mit wenig Arbeit verbunden, ist es ein Spiel wie, ‚ich packe meinen Koffer und nehme mit…‘. Statt Schlüpfer, Taucherbrille und Fotoapperat, gibt es in diesem Menschenhaufen eine Reihe von Letzten bis Ersten.

Jetzt haben wir alle ja auch Zeit zum Spielen.

Und tatsächlich, es gibt sie, die ganz genau aufgepasst haben und dieses aus dem Effeff kennen und können. Eine, der mittlerweile nun Ersten (sie hat sich flott nach vorn gearbeitet ohne grosses Tun, für uns alle besteht also Hoffnung), erklärt das so einfache Problem. Es lag natürlich am spontanen WC-Gänger und der somit ungeschmeidigen Abfolge vom Letzten, Vorletzten und Neuletzten…es ist aber auch nicht einfach heutzutage!

Noch immer herrscht allgemeine Freude, bis auf den, der dachte nur ihn betraf es. Er fühlt sich blöd und regt sich in vertrauter Manier auf. Er kam ja nicht des Spieles sondern der Arbeit wegen. Obwohl er schon ein rotes T-Shirt an hat, meint er, ‚ Ich werde mir nächstes Mal eine Umleuchte auf den Kopf setzten!‘. Na, da haben wir doch den wahren Letzten und doch noch Humor gezeigt. Ich finde er sollte seinem Kinderwunsch, Feuerwehrmann zu werden, nachgehen. Ein leicht trockner Furz, der vielleicht zu oft hier war. Ich jedenfalls lass mir nicht die Laune trüben.

Der blaue Mann mit Buch ist Erster.

Jetzt bin ich endlich an der Reihe. Meine Beraterin ist jung und knackig, ich freue mich. In der Nachbar-buchte sehe ich den attraktiven Arbeitsamtler, der mit attraktiver Arbeitssuchenden verkehrt. Augen überall, man da wird geflirtet, ich bin neidisch.

Binnen 10 Minuten bin jedoch auch ich erledigt, erfolgreich in’s System aufgenommen, und nun schon auf dem Weg zum Vermittler.

Noch ein attraktiver Bursche, was ist denn hier los? Ein Haufen junger Leute. Seit wann ist das Amt der neue Anbändeltreff, oder zumindest ein Ort der Schwärmerei, oder etwas stimmt mit mir nicht?

Auf dem Weg nach draussen fühl ich mich gut, sooo gut. Ich schlängele mich heiter durch die nun wirklich verstopften Gänge und bin froh, dass ich mir diesen zu intimen Körperkontakt sparen kann.

So schlimm war’s gar nicht!!

Auf in den Sonderzug nach Pankow. Ich winke, es lebe das Arbeitsamt Berlin. Diese Reise, falls nicht schon erfahren, ist sehr empfehlenswert, wenn nicht sogar ein Muß.

Mein 1. Mal war wunderbar!!!

One Response to “Mein 1. Mal”

  1. […] Arbeitsagentur. Gasti von den Kiezreportern aus Berlin berichtet aber ganau darüber, “Mein 1. Mal“. Da habe ich mich doch gleich mal an mein erstes Mal bei der Arbeitsagentur erinnert und wie […]

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