Tags: Ausstellung, Berlin, Kunst, Medizin, Schmerz
Der Wind bläst, die Fahne weht mit Schmerz bedruckt.
Zitternd, energisch, wütend… oder auch schlaff, seicht und kaum bemerkbar. Mal stark, mal schwach, still, laut, unaufhörlich, kommend und gehend…. permanent sich ändernd.
So kündigt sich die Schmerz Ausstellung schon von weitem an, stattfindend im Hamburger Bahnhof’s Museum Zeitgenössischer Kunst und dem Medizinhistorischen Museum der Charite´. In dieser Ausstellung wird Schmerz in vielen Facetten dargestellt, Kunst und Medizin verbinden sich, um ein eher vervollkommenes Bild darzustellen. Vier Monate lang, 5. April-5. August 2007, konnte man ‘Schmerz’ pas(s)ieren lassen…
Die Ausstellung bietet einen fast schmerzfreien Pfad, auf dem man selbst als Betrachter entdecken, sich informieren, inspirieren, mitfühlen und identifizieren kann. Hier verschmelzen, Fakten mit Emotionen, Objektives mit Subjektivem, alles in allem, die verschiedensten Formen des Ausdrucks sowohl aus der Wissenschaft als auch der Kunst, zu einem Abbild des Schmerzes.

Diese Projektion gibt Aufschluss, über die verschiedensten Schmerzen, die Jesus Christus erfahren hat. Man kann zudem einen Nagel, (Klosterarbeit, 2. Hälfte des 18 Jh.) der 3 oder 4 Nägel, mit denen Jesus, sowohl Folterung, als auch Erlösung, am Kreuz fand, bestaunen. Dies ist Schmerz in seiner extremsten und ursprünglichsten Form und bringt das Thema des Schmerzes nichtg nur am weitesten zurück in die Vergangenheit, sondern zeigt zugleich eine gewisse Art ‘Doppelstandard’ mit der Schmerz behaftet ist.
Schmerz, gilt als Ausdruck absoluter Intensität, die man entweder sucht oder meiden will. Sie ist die eine Erfahrung, die den Lebewesen das Leben und den Tod, bewusst machen und nahe bringen. Ohne Schmerz ist das Leben Sinn(e)-los.
Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen…
Jesus Kreuzigung schlängelt sich, manchmal stärker und offensichtlicher, manchmal weniger und versteckter, aber dennoch kontinuierlich present duch diese Ausstellung. Nicht nur als direktes Thema, sondern auch als Inspiration, Zeit und Glaubens Einfluss, sowie als ultimatives Maß an Schmerz von dem nicht nur die Medizin, sondern auch Künstler fasziniert waren und noch immer sind, kommt dies zum Ausdruck.
Ich warne, aber dies ist nicht der Versuch eine Ausstellung objektiv zu betrachten, sondern dies ist meine Reise, sie ist subjektiv, selektiv, intepretativ und könnte so manchen Schmerzen bereiten.

Film: ‘Via Dolorosa’ (Mark Wallinger, 18:08 min, 2002) – ‘Der Leidensweg’ ist DIE Strasse in Jerusalem. Auf dieser hat Jesus sein Kreuz zum Tode getragen. Sein Leidensweg, ein Leidensweg, ein Weg voller Leiden und Schmerzen. Ein schwarzer Ausschnitt bedeckt fast vollkommen diese Filmleinwand. Glaubensursprung, Glaubenskonflikte, Krieg, Schmerzen oder aber einfach: Der Leidensweg- seiner, meiner, deiner…ein dunkler, schwarzer, schwer definierbar und undurchsichtiger Bereich, der das Leben bedeckt…
Animations-Film: ‘History of the main complaint’, 5:50 min, 1996, William Kentridge
Kohle Zeichnungen, Südafrika, Politik, Leiden, Menschenrechte und Soho Eckstein.

Video-Installation: ‘Observance’, 2002, Bill Viola
Personen, ein kommen und gehen, Trauer, Schmerz, Körpersprache. Ein theatralisches Video-Stück, das Schmerz oberflächig ( am Gesicht und Körper ablesend) und tiefgründig ( unterschiedliche Seelen und Bewusstsein) darstellt.

Die Anknüpfung zur Realität- Samariter- Mediziner- Schmerzspezialisten der Charite´Berlin.
Ärzte, Doktoren, Professoren aus dem Bereich: Schmerz, Forschung, Labor, Psychosomatik, Psychotherapie, Neurologie, Anästhesie…

Video: ‘Still under treatment’, Aya Ben Ron, 2005
Narkose…Bewusstlosigkeit, Abschalten von Schmerzen, Operationen…neue Türen öffnen sich in der Medizin und verändern die Schmerztoleranz.
Es ist mir unmöglich jedem einzelnen Kunstausdruck und jenen medizinischen Überlegungen und Tatsachen der Ausstellung, in diesem Artikel gerechte Aufmerksamkeit zu widmen. Gerade während des Schreibens, wird mir bewusst, wieviel ‘Stoff’ mir diese Ausstellung geboten hat. Vieles war mir bekannt, einiges neu, aber als Gesamtheit und die damit verbundene Komplexität war einfach überwältigend.
Daher hier im Anschluss, einige Foto’s von Dingen, die mir besonders ins Auge gefallen sind und ohne vieler Worte.

Video: ‘Art must be beautiful, the artist must be beautiful.’ 1975 Marina Abromovic ( die Performance-Künstlerin kämt sich ‘wie wild’ die Haare)

‘Speechless Grey Horse’, 2004, Berlinde de Bruyckere

‘Crucifixion’, 1965, Francis Bacon

Animations-Film: ‘Just because you are suffering doesn’t make you Jesus’, 2005, Natalie Djurberg
Knetige, kindliche Verspieltheiten die ausdrücken, was manche Menschen gerne ignorieren möchten- sozialkritisch und ein Hauch von Sadismus und Masochismus.

Video: ‘Brontosaurus’, 1995, Sam Taylor Wood
Die Künstlerin filmte diesen nakten bis zue Extase tanzenden Mann.

Video: ‘Narben’, 2007, Valeska Grisebach
Geschichten von Menschen, die vom alltäglichen Kampf und den hinterlassenen Narben berichten. Geschundene Hände…

Pathologische Präperate
Gleichfalls faszinierend erzählen diese toten Körperteile ihre eigenen grausigen, lebendigen Geschichten.

Animations-Film: ‘Herr Doff hat Schmerzen’, 1982, Klaus Georgi, DDR-DEFA
Die Poliklinik kann nicht helfen und der Schäfer ist der Weise.

Im Hintergrund, die ‘Eiserne Jungfrau’. ( Dieses Foto und das darauf folgende, mussten eine leichte Entfremdung durch mein Tun erleiden)

Raum Installation: ( Wind und Maschinengeräusche), Micol Assael
Jetzt dann doch einmal ganz hautnah, bei dieser Installation. Kaum Schmerzen verspürt aber jede Menge Spaß hatten wir, nicht wahr Connie?

Spiel: ‘Pain Station 2.5′, Tilman Reiff & Volker Morawe, Bei diesem Spiel wird der Verlierer mit Hitze, Strom-oder Peitchenschlag bestraft. Auch das hat viel Vergnügen verbreitet.
Nicht zu vergessen die Melancholie.
Und nun naht das Ende, denn Erschöpfung und Müdigkeit können auch leichte Schmerzen bereiten!!!

Ein ganzer Flur war bedruckt mit Worten.
Wer noch nicht genug hat, und sich noch mehr Informationen verschaffen möchte, so im nachhinein, denn diese Ausstellung ist vorbei, letztendlich, wird im Internet bestimmt noch eine Menge dazu finden.
Und natürlich gab es jede Menge mehr… zum Abschluß und nicht zu vergessen, sind die beiden Clowns: ‘ No, no noooo, no, no…’ und ‘I am sorry for what I did, I don’t know why I did it, I am sorry for what I did, I don’t know…’



Ja, das Werbeaufkommen für diese beeindruckende Ausstellung war wirklich bemerkenswert. Mich hat die Schlichtheit auch sehr überzeugt.
Restaurantblog Berlin
August 6th, 2007
Schmerz…schlicht…schwierig…!
Daniela
August 8th, 2007