Die Kiezreporter

Berlin bloggt Berlin

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Die B-Alliteraten - Berlin bloggt Berlin.
Kiez-Reporter unterwegs im Großstadt- Dschungel.

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Als Berliner muss man auch mal ab und zu der großen Stadt den Rücken kehren und sich ländlicheren Gebieten zuwenden. zum einen aus Erholungsgründen und zum anderen um mal dem ganzen Trubel der Großstadt zu entgehen. Und wo kommt man von Berlin aus in nicht allzu langer Zeit hin? Da gibts zum einen die Ostsee, die Badewanne von Berlin. Dann kann man noch in zwei einhalb Stunden die Sächsiche Schweiz erreichen und in knapp drei Stunden den Harz. Und um den Harz geht es heute.

Kommisch durch meinen Blog über Hartz IV bin ich immer versucht Harz mit t zu schreiben. Dabei hat der Harz nichts mit Hartz zu tun, sondern stammt vom Wort Hart = Bergwald ab. Egal, ich brauchte mal etwas Entspannung und mich nur faul an den Strand legen wollte ich auch nicht. Die Säschsiche Schweiz kenn ich aus meiner Zivildienstzeit in Pirna sehr gut und da bot sich eben der Harz an. Und wie auch Goethe und Heinrich Heine entschloss ich mich den höchsten Berg des Harzes, den Brocken in Angriff zu nehmen. Zumal ich als Kind oft im Harz war, aber der Brocken war Sperrgebiet und somit für mich nicht erreichbar. Der Brocken ist 1142 Meter über NN hoch und bildet damit den höchsten Berg Norddeutschlands. Der Brocken befindet sich mitten im Herzen des Harzes, dem Oberharz, ein ausgewiesener Nationalpark. Ich wollt denn auch nicht, wie so viele andere den Brocken mit der Brockenbahn erobern, sondern herkömmlich zu Fuss. Ich schlug mein Quatier in Braunlage auf.


Da Braunlage mir aber für meine erste Wanderung nach Jahren aber doch ein bissle zu weit vom Brocken weg war bin ich bis zu einem Ehrenfriedhof nahe Torfhaus mit dem Auto gefahren. Von dort sind es dann noch sieben Kilometer bis auf den Brocken. Der Weg war recht leicht zu bewandern und das Wetter war super.

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Vorbei ging es am dreckigen Pfahl, dem Grenzstein zwischen dem früheren Königreich Hannover (KH) und dem Herzogtum Braunschweig (HB), heute die Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen Anhalt. Dann kam ich noch an der Quelle der kalten Bode vorbei.

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Und nach einer Stunde sah ich nicht nur die Brockenbahn die von Wernigerode über Drei-Annen-Hohne (543 m ü. NN), Schierke (687 m ü. NN), Eckerloch (855 m ü. NN) dann auf den Goetheweg (956 m ü. N) bis hoch zum Brocken (1.125 m ü. NN) fährt, sondern auch den Brocken vor mir liegen. Sieht schon toll aus, in unseren modernen Zeiten eine Dampflokomotive, die keuchend und dampfend den Berg hochfährt, zu sehen.

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Man kann im Harz auch super mountainbiken.

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Man hat von hier aus einen tollen Blick über den Harz.

Auf dem Goetheweg ging es dann weiter bis zur Brockenstrasse. Einziges Mango an diesem Tag waren die vielen Leute, die auch das schöne Wetter für eine Wanderung auf den Brocken genutzt haben. Auf dem letzten Stück war es zeitweise wie auf einer Völkerwanderung.

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Beim Aufstieg war der Weg sehr bevölkert.

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Beim Abstieg war es dann ruhiger. Dann ist die Wanderung sehr idyllisch.

Irgendwer erzählte unterwegs, das der Brocken 306 Nebeltage im Jahr hat. Na was für ein Glück ich doch hatte, der Brocken lag nun in seiner ganzen Schönheit vor mir. Der letzte Kilometer auf der Brockenstrasse war auch schnell geschafft.

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Das letzte Stück bis zur Brockenstraße auf dem Goetheweg immer der Bahnschiene entlang.

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Hier der Gipfel des Brockens mit dem Bahnhof.

So hier steh ich nun auf dem Brocken und ich muss gestehen es ist doch ein schönes Gefühl wenn man einen Gipfel erklommen hat. Ob das die Leute (oft mit kurzen Hosen und Sandaletten) die gerade mit der Brockenbahn einfahren genauso sehen? Bestimmt nicht. Oben auf dem Brocken wehte doch ein recht eisiger Wind, doch für ein Bierchen muss die Zeit reichen. Das habe ich mir verdient.

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Berlin ist genau 205 Kilometer weit weg und Goethe und Heinrich Heine waren schon vor mir da.

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Der Brocken hat schon eine lange Geschichte hinter sich. Die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

1401 wurde der Brocken erstmals urkundlich als Brockenberg erwähnt. Dann war erstmal eine ganze Weile Ruhe, bis dann 1736 die erste Schutzhütte „Wolkenhäuschen“ erbaut wurde. Doch es dauerte noch einmal knapp 60 Jahre bis das erste Gasthaus 1800 auf dem Brocken eröffnet wurde. 1890 wurde auf dem Brocken ein botanischer Garten angelegt. Das muss man sich mal vorstellen in 1142 Metern Höhe einen botanischen Garten, heute gibts den aber nicht mehr. Ist wohl doch ein bisschen zu rauh das Klima auf dem Brocken. 1895 wurde dann die erste Wetterwarte gebaut. Und 1899 nimmt dann die erste Brockenbahn ihren regulären Betrieb auf. Der Fernsehturm des Brockens wurde von 1936 – 1938 gebaut. Im Krieg wurde dann 1945 durch einen Bombenangriff das Brockenhotel zerstört. Die Sowjetarmee besetzt den Brocken. 1950 nimmt das neue Brockenhotel seinen Betrieb im umgebauten Fernsehturm auf. 1955 wurde der neue Fernsehsender in Betrieb genommen. Was dann kam dürfte jedem bekannt sein. Der Brocken wurde 1961 militärisches Sperrgebiet. Die riesen Antenne die schon von weitem zu sehen ist wurde in den Jahren 1973 – 1976 errichtet. 1989 dann die Wende. Am 3. Dezember 1989 wurde das Brockenplateau wieder für die Öffentlichkeit freigegeben. In den folgenden Jahren wurde viel renaturiert. 1994 zogen dann auch die letzten russischen Streitkräfte ab. Und mit dem Abschluß der Gipfelarbeiten im Jahre 1997 zeigt der Brocken uns sein heutiges Gesicht.

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Ich kann jedem nur empfehlen sich ab und zu solch ein Wanderwochenende zu gönnen, macht nicht nur echt Spass, nein es tut auch der gestressten Großstadtseele extrem gut. So das man sich dann mit neuem Elan in den Großstadtdschungel begeben kann.

2 Responses to “Meine Harzreise”

  1. Es ist schon komisch. Da bin ich seit neuster zeit ab und an mal in berlin und im web auf der suche nach informationen, was in berlin so los ist und das erste was ich finde, ist ein berliner, der über seine reise in den harz, meiner alten heimat, schreibt.

    gott… die welt tickt schon komisch… :-)

    Fotograf Jörg Zimmermann

  2. […] im Wald. Sehr märchenhaft und wild romantisch war es dort. Den Parkplatz kannte ich noch von einer früheren Harzreise her. Nachts wurde es dann auch empfindlich kühl. Außentemperaturen knapp über Null. Doch drin […]

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